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Unruhige Heimreise  
 

Mia befand sich auf der Heimreise. Sie hatte sich an die Reling gelehnt und betrachtete traurig die untergehende Sonne. Es war, als wollte sie sich ein letztes Mal von ihr verabschieden. Das Meer lag ruhig und dunkel unter ihr. In wenigen Augenblicken würde der letzte rote Sonnenstrahl dort versinken. In Gedanken verabschiedete sie sich von den letzten Strahlen und von ihrem Freund. Sie hatte es erst vor dem Aufstieg auf die Fähre erfahren. Nun schien er ihr näher denn je und weiter fort als jemals zuvor. Sie fröstelte, sein Verlust hatte sie hart getroffen. Sie hatte ein Gefühl in der Magengrube, als sei ihr ein kräftiger Schlag in den Bauch versetzt worden, der ihre Eingeweide verknotete. Sie fühlte sich überempfindlich und hatte ständig das unbestimmte Gefühl nicht alleine zu sein. Verwirrt schob sie den Gedanken beiseite und ging unter Deck. Ruhelos streifte sie auf dem Schiff umher. Sie hatte Angst vor der Nacht. Angst mit ihren Empfindungen in einem Raum alleine zu sein, ohne die geringste Chance einer Ablenkung. Sie durchwanderte immer wieder die Decks. Immer bedacht darauf, das Menschen in ihrer Nähe waren. Am liebsten stand sie drauen an Deck und lie sich die Gedanken vom Wind wegblasen. Zumindest stellte sie es sich gerne so vor. Als es immer später wurde, zogen sich nach und nach die Menschen zurück in ihre Kabinen. Nachdem sie nun auch an Deck alleine war, beschlo sie den Gang in ihre Kabine zu wagen. Zögernd schlo sie die Tür auf. Ihre Begleiter waren bereits dort. Sie hatten fast nichts gesprochen. Es gab nichts zu sagen, das ihr hätte helfen können. Mechanisch zog sie sich um und legte sich ins Bett. Das Licht wurde ausgemacht und nun begann ihr Horrortrip.
Ständig kreisten ihre Gedanken um ihren Freund. Später hätte sie nicht genau sagen können, was sie alles gesehen hatte. Es war, als würden alle Erlebnisse der letzten Jahre mit ihm im Zeitraffer durch ihren Geist rasen. Sie fühlte sich seltsam. Sie hatte die Augen geschlossen. Aber sie fühlte sich beobachtet. Sie fühlte es so stark, das sie sich im Bett hin und her warf. Nach einer Weile schien sie zu schlafen. Doch zugleich war sie wach. Sie träumte von ihrer Kabine. Sie war dunkel und an der Tür war ein schwaches Licht, das den Ausgang markierte. Aber vor dieser Tür sah sie eine schwarze Gestalt. Nun, es war ja dunkel im Zimmer, also war die Gestalt auch dunkel. Erschrocken wachte sie auf und öffnete die Augen einen Spalt weit. Sie sah nichts. Sie schlo die Augen wieder und fiel erneut in einen unruhigen Schlaf. Wieder träumte Sie von ihrer Kabine. Die Gestalt stand regungslos vor ihrem Bett. Sie konnte nur ihre Umrisse erkennen. Sie hatte das bestimmte Gefühl, da das ihr Freund war. Aber sie erschreckte sich dennoch und öffnete erneut ihre Augen einen Spalt. Immer in der Panik, tatsächlich eine Gestalt auch mit geöffneten Augen zu sehen. Aber sie sah nichts auer Dunkelheit. Unruhig wälzte sie sich im Bett. Am liebsten hätte sie das Licht angemacht und mit Licht weitergeschlafen. Das konnte sie ihren Begleitern nicht zumuten. Sie versuchte weiter zu schlafen. Das Gefühl der Panik war ihr ständiger Begleiter. Sie ertrank in einem Meer von Gefühlen. Und ständig sah sie die Gestalt vor ihrem Bett. Hätte sie die Situation mit Logik betrachtet, so hätte sie schlichtweg angenommen, das, wenn es sich um ihren Freund handelte, der ihr schon nichts tun würde. Aber in dieser Nacht, war sie zu keinem logischen Gedankengang fähig. Sie kam sich vor, wie ein überladener Strommast, der vor Spannung knisternd, jeden Moment explodieren konnte. Nach einigen Stunden gab sie auf und beschlo den Rest der Nacht nicht zu schlafen. Sie verlie die Kabine mit ihrem Begleiter, der dankbarer weise auch nicht schlafen konnte. Sie liefen im Schiff umher, das nun menschenleer zu sein schien. Entgegen sonstiger Erfahrungen die sie mit solchen Zuständen wie diese Nacht gemacht hatte, wich das Gefühl einer ständigen unsichtbaren Präsenz auch im Licht nicht von ihr. Sie hätte durch das ganze Schiff rennen mögen, nur um dieses Gefühl abzuschütteln. Es war ungefähr vergleichbar mit einer Feder die ständig an einer Stelle kitzelte. Nur das diese eine Art Schüttelfrost hervorrief. Schlielich mute sie irgendwann in eine Toilette. Ihr Begleiter blieb vor der Tür stehen. Die Atmosphäre der Toilette war wie mit Elektrizität geladen. Sie fühlte nun die Anwesenheit so intensiv, das sie am liebsten rückwärts durch die Tür wieder aus der Toilette gegangen wäre. Sie bi die Zähne zusammen und setzte einen Schritt vor den anderen. Sie mute plötzlich an einen Satz denken, den sie ihrem Freund einmal gesagt hatte. Sie hatte damals gesagt, sie wüte gerne ob da nach dem Tod wirklich etwas sei. In diesem Augenblick als ihr dieser Gedanke durch den Kopf scho, kam prompt die Antwort von der anderen Seite der Tür hinter der ihre Toilette war. Er schien sie zu rufen, auf das sie ihn hören möge. Das war zuviel für sie. In einem Impuls schierer Panik, sagte sie laut: "Bitte! La mich in Ruhe!" Plötzlich war die Spannung fort. Sie wute das er nicht mehr da war. Das Gefühl der ständigen Präsenz war fort. Sofort hatte sie Gewissensbisse, ihn so grob behandelt zu haben und bedauerte ihn fortgeschickt zu haben. Dennoch, in einem Gefühl der Erleichterung war ihr danach, auf der Stelle zu Boden zu sinken. Den Rest der Nacht konnte sie dennoch nicht schlafen, zu sehr hatte sie das ganze aufgekratzt. Erschöpft saen sie und ihr Begleiter an einem Tisch. Sie war sich noch nicht ganz sicher ob sie eine blühende Phantasie hatte oder an Einbildung litt , als plötzlich ihr Begleiter wie nebenbei sagte: "Ich konnte einfach nicht einschlafen, ich habe ständig gedacht, da steht jemand neben dem Bett."

 

SGB 2004






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